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Prolog

Freitag, 6. Mai 1994

Seidiges Haar, das mich an Feenzauber denken lässt. Sie sieht mich an, ohne eine Miene zu verziehen. Die Sekunden tröpfeln dahin, keine Reaktion. Hat sie mich nicht verstanden? Habe ich zu leise gesprochen? Oder zu undeutlich? Das wird mir ständig vorgehalten. Das Blut schießt mir in den Kopf. Wie ich das hasse! Ich würde sonst was dafür geben, wenn ich es kontrollieren könnte. So was von peinlich!

Seit Tagen habe ich darauf gelauert, sie allein anzutre en. Andauernd ist sie mit ihren Freundinnen zusammen. Bis auf freitags, die letzten beiden Stunden. Da hat sie Informatik. Ohne die Freundinnen. Ich habe den Kurs nur wegen ihr belegt. Nach der Pause habe ich sie abgepasst.

Und nun stehe ich hier wie ein Idiot. Alles fühlt sich falsch an.

Endlich bewegt sie ihre Lippen. »Ob ich mit dir zum Frühlingsfest gehe?« Ihre Augen ruhen auf meinen ammenden Wan- gen, auf die ich am liebsten meine Hände pressen würde.

Ich schlucke. Nicke. Die Zunge klebt am Gaumen. Meine Kehle ist trocken wie die Sahara.

Statt einer Antwort hebt sie eine Augenbraue. Ich spüre die Ablehnung der ganzen Welt, gesammelt in dieser einen, minima- len Bewegung. Sie dreht sich um und läu leichtfüßig den Flur entlang in Richtung Unterrichtsraum. Lässt mich einfach stehen! Kaum ist sie ein paar Schritte gegangen, da höre ich es.

Wie eine schallende Ohrfeige klatscht mir ihr Lachen ins Gesicht. Ich verharre wie einbetoniert, mitten auf dem Gang, und schaue ihr hinterher. Seidiges Haar, Feenzauber – trotzdem.

Ehe sie den Raum betritt, schaut sie noch einmal zu mir, lacht weiter. Dann ist sie verschwunden.
Ich kann mich nicht rühren. Meine Muskeln wollen mir nicht gehorchen.
Jemand rempelt mich von hinten an. »Na, haste ̕ne Abfuhr kassiert?« Ausgerechnet ER, der coolste Typ der Schule. Zwei Klassen über mir. Er stößt mit seiner Faust gegen meine linke Schulter. »Ganz schön mutig, dich an die Prinzessin ranzutrauen.« Er deutet mit dem Daumen in Richtung Tür. Dann noch ein Stoß gegen die Schulter. »Ganz schön dämlich.« Er grinst mich an aus seinem gutaussehenden Gesicht. In das ich jetzt am liebsten reinschlagen möchte. Wäre ich nicht so ein Feigling. So ein Schwächling.

Breitschultrig und muskulös steht er mir gegenüber. Siegertyp. Ich will nur weg. Senke den Blick. Starre auf seine Chucks. Auf meine ausgetretenen namenlosen Turnschuhe. Murmle irgendwas von wegen nicht zu spät kommen. Ziehe mich zurück. Schnecke, Schnecke, ab in dein Haus.

Gleich fängt die Stunde an. Nächste Woche ist die Prüfung. Aber ich kann einfach nicht zum Klassenraum gehen. Ihr Lachen hallt in meinem Kopf nach, hämmert von innen gegen meine Stirn. Stattdessen laufe ich zur Treppe und hinunter ins Erdge- schoss. Ich verlasse das Schulgebäude. Zum ersten Mal in meinem Leben schwänze ich.

Den ganzen langen Weg nach Hause höre ich dieses Lachen. Sehe ihr regungsloses Gesicht vor mir. Die hochgezogene Augenbraue – eine Abfuhr ohne Worte. Wie es sich gehört für eine Prinzessin. Natürlich bin ich nicht gut genug für sie. Was habe ich mir bloß dabei gedacht?

Stück für Stück fällt das lähmende Entsetzen von mir ab. Mit jedem Schritt, den ich unserem Haus näher komme, werde ich wütender. Wütend auf mich selbst, dass ich mich so blamiert, mich zum Affen gemacht habe. Meine Gefühle auf dem Silbertablett serviert, zum ersten Mal, in den Staub getreten, zermalmt, zerquetscht. Wütend auf diese Hexe mit dem anmutigen Gesicht und dem perfekten Körper. Wütend auf den Supercoolen mit seinem breiten Grinsen, null Verstand, aber an jedem Finger drei Mädchen. Wütend auf meine Eltern, die mir nicht erlauben, so zu sein wie die anderen – »wir haben nicht so viel Geld«, »das können wir uns nicht leisten«, »ja, weißt du, die anderen haben halt …« Ich habe sie so satt, diese monotonen Standardsprüche, so satt, dass ich kotzen könnte! Bin wütend auf die Welt, die einfach scheiße ist!

Ich hole aus und trete gegen den nächstbesten Baum. Einmal, zweimal, dreimal, immer wieder. Stelle mir vor, es sei der Supercoole. Bis mein Fuß so wehtut, dass ich aufhören muss. Kann kaum mehr auftreten. Die Wut ist trotzdem noch da. Im Garten steht der Plastiklastwagen meines kleinen Bruders, das letzte Weihnachtsgeschenk. Ich greife danach und schlage mit dem Spielzeug so lange gegen die Hauswand, bis es in Stücken um mich herum verteilt liegt. Aber die Wut löst sich nicht auf. Sie ballt sich zu einem Knoten in meinem Magen zusammen, dunkelgrün und giftig. Mein Blick fällt auf den Kaninchenstall. Minouche, das weiße Kaninchen meiner großen Schwester, sieht mich aus sanftmütigen Augen an. Am liebsten würde ich dem Tier den Hals umdrehen, doch das wage ich nicht. Der Wutknoten wächst und wächst. Er schnürt mir die Luft ab.

Ich presse die Wut tief in mich hinein, so tief, wie es überhaupt möglich ist. Da sitzt er nun fest, der zusammengequetschte Wutknoten. Zwischen all den anderen, die ich schon weggedrückt habe. Wie ich es gelernt habe. Wenigstens kann ich nun wieder atmen.

Was heute passiert ist, werde ich nie vergessen. Irgendwann werde ich es ihr heimzahlen. Dann wird sie bereuen, was sie mir angetan hat. Irgendwann wird meine Stunde kommen. Dann werde ich es sein, der lacht.

 

1. Kapitel

Montag, 2. Mai 2016

Der Tote lag bäuchlings mitten auf dem Weg. Ein Rinnsal Blut war aus seiner Stirn gesickert. Am Hinterkopf klaffte inmitten von dichtem schwarzem Haar eine sternförmige Wunde.

Michael Kleinschmidt, Kommissar bei der Kölner Kripo, schaute sich aufmerksam um. In diesem Teil des sogenannten Inneren Grüngürtels wanden sich schmale Pfade zwischen wild wachsenden Büschen und ausladenden Bäumen hindurch. Wenig erinnerte an den sonstigen Park, der sich übersichtlich und geordnet über rund sieben Kilometer halbkreisförmig zwischen der inneren Kanalstraße und den Bahnschienen entlangzog. Von Köln-Riehl im Norden bis hinunter zur Südstadt.

In den frühen Morgenstunden hatte ein junges Pärchen den Fund des Toten bei der Polizei gemeldet. Die beiden waren auf dem Heimweg von einer Studentenparty hier entlanggekommen. Völlig verstört waren sie gewesen, als die Polizeibeamten am Tatort eintrafen. Zunächst hatten sie gedacht, der Mann sei gestürzt, vielleicht in betrunkenem Zustand. In der Dunkelheit hatten sie die Schussverletzung erst bemerkt, als sie sich zu ihm hinuntergebeugt hatten.

Inzwischen war es hell geworden. Graue Wolken bedeckten den Himmel, doch wenigstens regnete es nicht. Die Kollegen hatten den Tatort abgesperrt, ein Arzt und die Fachleute von der Spurensicherung würden gewiss bald eintreffen.

Michael richtete seinen Blick wieder auf den Leichnam. Der Tote war circa eins achtzig groß und schlank. Er trug edle Jeans, ein schwarzes Sakko, dazu rahmengenähte Lederschuhe, die ziemlich neu aussahen. Die linke Gesichtshälfte konnte Michael sehen. Höchstens Mitte dreißig schätzte er das Opfer. Der Kommissar zog ein Paar Einweghandschuhe aus der Innentasche seiner Jacke und streifte sie über. Er hockte sich hin und betrachtete das Einschussloch am Hinterkopf genauer.

Ohne jeden Zweifel war der Schuss mit aufgesetzter Waffe abgegeben worden. Eine charakteristische Platzwunde um den Einschuss, dazu deutlich erkennbar der Abstreifring der Waffe. Außerdem entdeckte Michael die ebenfalls typische Schmauchhöhle, um die herum sich das Gewebe hellrot verfärbt hatte.

Er wandte sich dem Gesicht zu, beugte sich tief hinunter und begutachtete es aus nächster Nähe. An der Stelle, an der das Blut ausgetreten war, musste sich die Austrittsstelle des Projektils befinden. Auf der Haut hatten sich Toten ecken gebildet, die sich noch wegdrücken ließen. Demnach war der Mord erst vor wenigen Stunden geschehen. Was hatte den Mann mitten in der Nacht in diesen abgelegenen Teil des Parks getrieben? Oder besser: Wer?

Dass seine Kollegin Hannah ausgerechnet jetzt Urlaub hatte. Normalerweise besichtigten sie Tatorte gemeinsam und waren ein eingespieltes Team, wenn es darum ging, erste Eindrücke und sich aufdrängende Fragen zu sammeln. Wie Pingpongbälle spielten sie sich diese für gewöhnlich zu.

Diesmal musste Michael ohne seine Partnerin auskommen. Vorsichtig tastete er die Sakkotaschen des Toten ab. Auf der rechten Seite wurde er fündig. Ein schmales Lederportemonnaie kam zum Vorschein. Das Handy hatte der Täter wohl an sich genommen, so der junge Mann eines bei sich gehabt hatte.

Michael richtete sich wieder auf und untersuchte den Inhalt des Portemonnaies. Etwas Bargeld, Kreditkarte, einige Visitenkarten, Führerschein und ein Firmenausweis. Yannick Ramon hieß der Tote. Als der Kommissar Namen und Adresse der Firma las, entfuhr ihm ein überraschtes: »Sieh mal an!«

***

Eine Taube landete auf dem Rand des Brunnens und spazierte gemächlich hin und her. Hannah Richter lehnte sich auf ihrer Bank zurück und betrachtete das grau gefiederte Tier. Welch niederes Dasein es mit seinen Artgenossen im Stadtalltag heutzutage fristete. Wie anders war das in vergangenen Zeiten gewesen. Hannahs Gedanken wanderten in die römische Antike, seit ihrer Kindheit ihre große Leidenschaft.

Die alten Römer hatten einst die Taubenhaltung in Mitteleuropa und Nordafrika verbreitet. Vor allem als Brieftauben im militärischen Bereich hatten sie sie eingesetzt. So arbeiteten im vierten Jahrhundert zeitweise bis zu fün ausend Tauben für die Staatspost des römischen Imperiums. Sie stellten einen wichtigen Teil der Vernetzung dar. Darüber hinaus galten die Tiere zu jener Zeit als Sinnbild für San mut und Unschuld. Damals war man davon ausgegangen, Tauben besäßen keine Galle und seien deswegen frei von jeglichem Bösen und Bitteren. Wie radikal sich über die Jahrhunderte die Meinung geändert hatte. Als Überträger von Krankheiten wurden sie heutzutage angefeindet, vertrieben, im schlimmsten Fall vergiftet oder erschossen. Dabei hatte Homo sapiens einst durch Züchtungen dafür gesorgt, dass die Tiere nun statt zweimal pro Jahr bis zu sechsmal Nachwuchs zeugten.

Als spürte er, dass sie ihn beobachtete, drehte der Vogel seinen Kopf in Hannahs Richtung. Mit halblautem Gurren erhob er sich in die Lu und segelte zum Nachbarbrunnen hinüber.

Die Place des Vosges war einer von Hannahs Lieblingsplätzen in Paris. Wann immer sie in der Stadt war und das Wetter es erlaubte, verbrachte sie einige Zeit dort und ließ die Atmosphäre des in vollkommener Symmetrie angelegten Platzes auf sich wirken.
Vier identische Brunnen verteilten sich auf dem quadratischen Areal, das zu allen Seiten hin von imposanten Häusern aus rotem Backstein mit Arkaden im Erdgeschoss umgeben war. In den mit dunkelblaugrauem Schiefer gedeckten Gebäuden hat- ten seit ihrer Errichtung im siebzehnten Jahrhundert allzeit namhafte Persönlichkeiten gelebt, von Madame de Sévigné über Kardinal Richelieu bis zu Alphonse Daudet und Victor Hugo. In der heutigen Zeit waren es leider auch Skandalträger wie Dominique Strauss-Kahn, die die Franzosen mit diesem herrlichen Platz verbanden. Doch wenn man der Klatschpresse Glauben schenken durfte, hatte Anne Sinclair ihren untreuen Gatten inzwischen nach mehr als zwanzigjähriger Ehe verlassen und ihn aus der Wohnung an der Place des Vosges rausgeworfen.

Vor zwei Tagen war Hannah nach Paris gekommen. Sie freute sich auf eine ganze Woche mit ihrem Liebsten. Seit nunmehr knapp drei Jahren führten Serge und sie eine Fernbeziehung zwischen Paris und Köln. Kennengelernt hatten sie sich während Hannahs ersten Besuchs in dem provenzalischen Touristenstädtchen Vaison-la-Romaine. Gerade frisch getrennt, war ihr damals das Angebot, im Rahmen eines EU-Auslandsaustauschs drei Monate in der Provence zu arbeiten, als willkommene Ablenkung erschienen. An eine baldige neue Beziehung hatte sie keinen Gedanken verschwendet. Serge seinerseits war wenige Monate zuvor Witwer geworden.

Doch das Schicksal hatte es anders gewollt, und dank Schnellzügen wie dem TGV und dem Thalys sowie Serges größtenteils exibler Arbeitszeiten gelang es ihnen, sich im Schnitt alle zwei Wochen für einige Tage zu sehen.

Praktischerweise lag die Wohnung ihres Lebensgefährten nur wenige Gehminuten von der Place des Vosges entfernt. Dass der Musikwissenschaftler Serge Laurent sich eine Vierzimmer-Altbauwohnung in dieser Umgebung leisten konnte, hatte er seiner verstorbenen Frau Yvette zu verdanken.

Ein Vibrieren in der Jackentasche riss Hannah aus ihren Gedanken. Sie zog ihr Handy hervor und sah auf das Display.Monsieur Schnauz leuchtete es ihr entgegen. So nannte Hannah ihren Vorgesetzten. Was nichts mit seinem Hundegesicht zu tun hatte. Vielmehr hatte sich Günther Hanke, wie der Hauptkommissar tatsächlich hieß, über die Jahrzehnte in seiner Wahlheimat Köln unbeirrt seine Berliner Schnauze bewahrt. Dass er Hannah in ihrem Urlaub anrief, ließ nichts Gutes ahnen.

»Hallo, Günther.«

»Tach, Hannah, wohlverdiente freie Tage, ick weeß.« Ihr Chef räusperte sich.

»Schieß los. Wo brennt’s denn?«

»Wir ham hier een Toten. Is jestern Nacht erschossen worden. Se ham ihn im Inneren Grüngürtel jefunden, inner Nähe vom Mediapark. Schuss direkt innen Hinterkopf. Sieht recht profes- sionell aus. Dein Kolleje Michael is an dem Fall dran.«

»Und nun willst du mir mitteilen, dass ihr auf meine werte Anwesenheit nicht verzichten könnt und ich mich unverzüglich zum Bahnhof begeben soll.« Ohne über Los zu gehen, viertausend Euro einzuziehen oder ein köstliches Abendessen meines Liebsten zu genießen, ergänzte sie im Stillen.

»Also, um jenau zu sein …«

Hannah seufzte. »In Ordnung. Ich schaue gleich nach, wann der nächste Zug nach Köln geht.«

»Dit is du e. Aba nich Köln. Südfrankreich. Und morjen reichtet ooch noch.«

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Prolog

Freitag, 05. Januar 1962

»Du bist raus.« Die Kunstdrucke an der Wand gegenüber verschwammen vor seinen Augen zu einem grellen Farbenbrei. Wie sollte es weitergehen? »Du bist raus und hast ab sofort nichts mehr mit uns zu tun. Die Papiere erhältst du mit der Post.«
Er fühlte einen Kloß im Hals und schluckte. Seit Jahren hatte er nicht geweint. Wann hatte er das letzte Mal seine Tränen auf den Wangen gespürt? Jetzt war er kurz davor, die Kontrolle zu verlieren. Reiß dich zusammen, reiß dich zusammen! Es half nichts. Die Worte, die er eben vernommen hatte, hallten in seinen Ohren wider, füllten seinen Kopf aus, wanderten in seinen Körper und schwollen dort an, bis für nichts anderes Platz war. »Du bist raus und allein für diese Dinge verantwortlich. Falls du dir überlegen solltest, etwas zu unternehmen, irgendwelche Maßnahmen einzuleiten – denk daran, du hast nichts gegen uns in der Hand.«
Er wusste, dass es stimmte. Auch wenn er sich anfänglich gesträubt hatte, stand nun überall seine Unterschrift. Nur seine Unterschrift. Er war gefangen in einem Netz, das er nie hatte spinnen wollen. Die Warnzeichen hatte er gesehen, hatte noch versucht, einen Ausweg zu finden, erst vor wenigen Tagen. Zu spät. Die Katastrophe war eingetreten. Sie hatten einen Judas Iskariot aus ihm gemacht.
Langsam stieg er die Treppe zum Dachboden hinauf. Bleischwere Gewichte an seinen Beinen zogen ihn bei jeder Stufe wieder hinunter. Je näher er dem Ende der Treppe kam, desto stockender wurden seine Schritte. Aus dem Abgrund, in den er geblickt hatte, gab es kein Entkommen. Dennoch weigerte sich sein Verstand, diese Tatsache zu akzeptieren. Welch ein Segen, dass er gerade allein war. Oder vielleicht nicht? Hätte es einen Unterschied gemacht, wenn jemand bei ihm gewesen wäre, in dieser nachtschwarzen Stunde? Wie hätte er dann reagiert?
Er war oben angelangt und sperrte die Tür auf, sie quietschte in den Angeln. Bis zu dem alten, massiven Schrank war es nicht weit. Und doch kam es ihm vor, als würde es eine Ewigkeit dauern, diese letzten Meter hinter sich zu bringen. Bei jedem Schritt dieselben Fragen: Gab es noch einen Ausweg? Hatte er etwas übersehen? Etwas, das eine andere Lösung offenbarte? Dann geschah das Wunderliche: Als er den Schrank erreichte und die Schubladen mit den rostigen Griffen vor sich sah, verschwanden mit einem Mal alle Fragen und Zweifel. Lösten sich vor seinem inneren Auge auf wie die Rauchschwaden der Pfeife, die er vorhin genossen hatte. In einem anderen Leben. Ehe der Anruf kam.
Zurück blieb nichts als eine mechanische Klarheit. Er zog die unterste Schublade heraus. Räumte die Schachteln, die obenauf gestapelt waren, beiseite. Bis das schwarze Etui im schwachen Licht glänzte.Er nahm es an sich wie einen Schatz. Kostbar und bedrohlich zugleich. Hielt es für einen Moment in den Händen, ehe er es öffnete. Da lag sie, in roten Samt eingeschlagen. Hatte auf ihn gewartet. All die Jahre. Auf diesen Tag.

Kapitel 1

Donnerstag, 11.September 2014

»Matthieu ist verschwunden!« Der Ruf von Alice Joselet riss Hannah aus dem Rhythmus ihres Laufs.
Auch im Urlaub versuchte die Kommissarin ihr morgendliches Training zu absolvieren. Vor fünf Tagen war sie in der Provence angekommen, und bisher hatte sie eisern durchgehalten.
Im vergangenen Sommer hatte Hannah im Rahmen eines EU-Austauschprogramms drei Monate bei der provenzalischen Polizeiverbracht. Ihre erste Station hatte sie nachVaison-la-Romaine geführt, jene kleine Touristenstadt im Vaucluse, die sich rühmte, Frankreichs größtes galloromanisches Ausgrabungsgelände zu beherbergen. Da Hannahs Leidenschaft die römische Geschichte war, hatte es neben der Arbeit viel für sie zu entdecken gegeben. Einige der Menschen, die sie während ihres Aufenthalts getroffen hatte, waren inzwischen enge Freunde geworden, und so hatte sie beschlossen, in diesem Jahr ihren Urlaub hier zu verbringen.
»Mademoiselle Hannah!« Die alte Frau winkte sie zu sich heran. Wie üblich trug sie ihre weißen Haare in der Mitte gescheitelt und zu einem ordentlichen Nackenknoten gebunden. »Haben Sie einen Moment Zeit für mich?«
Ihrem Gesichtsausdruck nach war etwas Ernstes geschehen, und so joggte Hannah näher und öffnete die niedrige Gartenpforte. »Bonjour, Madame Joselet, was ist passiert?«
»Ach, kommen Sie doch auf einen Tee herein.«
Hannah folgte der schmalen Frau, die trotz ihrer mehr als siebzig Jahre kein bisschen gebrechlich wirkte, ins Innere des kleinen, hell verputzten Hauses.
Bald darauf saß sie auf einer Holzbank auf der Terrasse, einen Becher schwarzen Tee vor sich, und sah Alice Joselet erwartungsvoll an. »Was haben Sie denn auf dem Herzen?«
»Matthieu ist vorgestern Abend nicht nach Hause gekommen.« Bekümmert umklammerte die betagte Frau mit den Händen ihre Tasse. »Das ist an sich keine große Geschichte, er bleibt öfter über Nacht weg – alt genug ist er ja.« Sie lächelte matt. »Aber er hat sich gestern den ganzen Tag nicht blicken lassen, und das ist ziemlich ungewöhnlich. Er weiß genau, dass er mein Ein und Alles ist,und…« Sie zögerte kurz, dann schaute sie Hannah direkt an. »Ich bin sicher, dass ihm etwas passiert ist! Sie sind Polizistin, ich habe gedacht …«
»Nun ja, Madame Joselet, ich bin im Urlaub. Sie wissen ja, dass ich in Köln, also in Deutschland, lebe. Haben Sie schon die örtliche Polizei alarmiert?«
Alice Joselet stöhnte auf. »Die von der police municipale sind doch allesamt unfähig! Und diesen Bernard konnte ich von Anfang an nicht leiden.«
Hannah verkniff sich ein Grinsen. Auch sie hatte während ihrer Zeit bei der Gendarmerie von Vaison ihre Schwierigkeiten mit Capitaine Claude-Jean Bernard gehabt. Zu guter Letzt hatten sie eine versöhnliche Ebene gefunden. Allerdings war der Weg dahin steinig und von einigen heftigen Auseinandersetzungen gezeichnet gewesen.
Hannah nippte an ihrem Tee und versuchte sich die wenigen, kurzen Gespräche ins Gedächtnis zu rufen, die sie mit Alice Joselet geführt hatte. War da schon einmal der Name Matthieu gefallen? Madame war seit einigen Jahren Witwe. Einen neuen Lebensgefährten hatte sie nicht erwähnt, ihr einziger Sohn lebte in Aix-en-Provence und besuchte sie nur gelegentlich.
»Wie … sieht er denn aus?«, begann Hannah vorsichtig.

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Prolog

Das Schlucken fiel ihm schwer. Etwas steckte in seinem Mund, drückte seine Zunge nach unten. Er konnte den Mund nicht öffnen. Arnaud versuchte sich zu bewegen. Es funktionierte nicht. Er lag auf der Seite. Seine Hände waren auf den Rücken gebunden. Seine Schultern, seine Knie, alles tat ihm weh. Die Beine ließen sich nicht strecken, sie waren schmerzhaft weit nach hinten gebogen. Die Füße hinten gefesselt. Harter Boden unter ihm. Dunkelheit um ihn herum.
Ganz allmählich schälten sich Konturen aus der Schwärze. Vor seinen Augen erschien eine Mauer. Alte Steine. Den Kopf konnte er ein wenig bewegen. Wenn er ihn nach oben drehte, konnte er Schemen einer hohen Steindecke ausmachen. Er hatte keine Ah- nung, wo er war. Wie er hierher gekommen war. Er wand sich in den Fesseln, um sie ein Stückchen zu lockern. Umsonst. Die allerkleinste Bewegung der Beine zerrte an seinen Händen. Professionelle Arbeit, keine Frage. Ihm kamen die Augen der Tiere in den Sinn. Tiere, die er betäubt und fixiert hatte.
Ihm war übel. Er kämpfte gegen die Benommenheit. Wo endete die Erinnerung? Er dachte krampfhaft nach. Die Fahrt nach Orange … das Essen im Restaurant …
»Du bist wach.« Eine Stimme aus der Finsternis. »Dann können wir beginnen.«
Arnaud spürte die Kälte, die vom harten Boden in ihn hinein- kroch. Beginnen womit? Was wollte man von ihm? Die Luft roch feucht und abgestanden. Hatte man ihn verraten?
»Du fragst dich, warum du hier bist, Arnaud Brunel?«
Für einen Moment hatte er geglaubt, eine Erinnerungsspur ge- funden zu haben. Antike Mauern …
»Denk nach, Arnaud Brunel, denk scharf nach.«

Sein Kopf ruckte herum, soweit es ging. Die Stimme schien aus der anderen Ecke des Raumes zu kommen. Er konnte niemanden sehen.
»Ich will, dass du eine Lektion lernst.« Bedächtig sprach die Stimme, nahm sich Zeit. Kostete aus, dass er unterlegen war. Hatte er sie schon einmal irgendwo gehört?
Sein Körper schmerzte, die Fesseln schnitten ihm in die nackten Unterarme. Seine Hände fühlten sich taub an. Er musste einen Fehler gemacht haben, an irgendeiner Stelle … Dabei war er so vor- sichtig gewesen. Die Gedanken fielen ins Leere. Spitze Steine stachen in seine Seite, in seinen Kopf. Sein Nacken war ganz steif, die Beine schienen zu reißen. Aus weiter Ferne drangen gedämpfte Töne an sein Ohr. Es klang wie … klassische Musik …
»Lerne deine Lektion, Arnaud Brunel.«
Er wand sich einmal mehr in den Fesseln, stöhnte, versuchte sich irgendwie mitzuteilen. Das Atmen wurde mühsamer, das Luftholen durch die Nase fiel schwer. Mit einem Mal bekam er Angst zu ersticken.
»Keine Sorge, du wirst genug Zeit zum Bereuen haben. Es wird lange dauern. Genau genommen wird es deine längste Nacht wer- den. Und deine letzte zugleich. Du wirst viel Zeit haben – ehe du stirbst.« Zuversicht, beinahe so etwas wie Heiterkeit lag in der Stim- me. Und sie schien sich zu nähern.
Arnauds Herz begann zu rasen. Er gab verzweifelte Laute von sich. Strengte sich noch einmal an, die Fesseln zu lockern.
Die Stimme lachte. »Denkst du etwa, dass du dich retten kannst?« Erneutes Lachen. Höhnisch. Dann sehr ernst: »Hast du Gnade ge- kannt? Heute werden sich deine Grausamkeiten rächen. Heute Nacht wirst du büßen, Arnaud Brunel.« Jetzt war die Stimme nah an seinem Ohr.

»Mal überlegen, was hättest du wohl verdient … Wie wäre es dir am liebsten? Ach so, du kannst ja nicht antworten, wie dumm von mir. Nun, dann werde ich bestimmen.«
Eine Pause. Arnaud hielt die Luft an. Sekunden verrannen, bis die Stimme wieder einsetzte. Leise und sehr langsam: »Ich will, dass du leidest.«
Etwas Glänzendes erschien in seinem Blickfeld. Er blinzelte, bemühte sich, die Augen scharf zu stellen. Der Schock fuhr ihm in die Knochen, als er eine Nadel ausmachte. Eine Nadel, die an einer Spritze steckte. Mit hektischen Bewegungen versuchte Arnaud, zur Seite auszuweichen.
Die Stimme lachte von neuem. »Wie rührend du dich bemühst! Dabei ist die Entscheidung längst gefallen. Es ist vorbei.«
Trotz der Kälte spürte Arnaud Schweißperlen, die seine Stirn hi- nunterrannen. In seine Augen liefen. Er atmete in kurzen, schnellen Zügen. Und bekam doch nicht genug Luft. Ihm wurde schwindelig.
»Ich habe gehört, es fühle sich an, als würde man von innen ver- brennen. Die Idee gefällt mir. Ein Fegefeuer in deinen Adern. Ein Vorgeschmack, ehe du in die Hölle fährst.«
Er kämpfte gegen einen Würgereiz. Spürte mit einem Mal etwas Warmes, Feuchtes, das seine Beine hinablief. Den Stoff seiner Hose durchnässte.
»Wir haben noch eine ganze Weile zum Plaudern. Das hier drin«, die Spritze bewegte sich hin und her, »wird sich langsam in deinem Körper ausbreiten. Am Anfang wird es dich wärmen. Ein kleines Geschenk von mir. Dann wird es heißer werden, immer heißer, wird dich von innen kochen. Auf kleiner Flamme garen. Ich werde dich derweil unterhalten. Damit dir nicht langweilig wird.«
Die Stimme begann zu summen. Eine Melodie, die vertraut klang, wie aus Kindertagen, wie ein Wiegenlied … Die Spritze tanzte vor seinen Augen. Er starrte auf die feine silberne Nadel. Das hier war echt. Sein Ende. Einfach so …

Das Summen verstummte.
»Und jetzt erfährst du, warum du sterben wirst, Arnaud Brunel.« Ein Gesicht tauchte über ihm auf.

 

Kapitel 1

Mittwoch, 26. Juni 2013

Schon wieder ein schlechter Kaffee. Hannah Richter strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und rührte gedankenverloren mit dem Löffel in dem Koffeingebräu. Woher stammte bloß der Mythos vom schmackhaften Café au Lait? Gewiss nicht aus der Provence, so viel stand fest. Seit sie vor einer Woche hier angekommen war, hatte Hannah noch nicht einen wirklich guten Kaffee getrunken. Für einen Coffeeholic eine Qual, die an mittelschweren Entzug grenzte. Dabei waren die Maschinen gar nicht mal übel. Wo lag dann das Problem? Menschliches Versagen? Zu heiß gebrüht, zu bitter, zu wenig oder falsch temperierte Milch, zu viel Schaum. Oder diese unsägliche Angewohnheit, haltbare, fettarme Milch zu ver- wenden, geschmacklich ein völliges No-Go.
»Einen Cappuccino«, hatte sie beim Kellner bestellt und hinzugefügt: »Ohne Schokolade bitte.«
»Aber ohne Schokolade ist es kein Cappuccino. Einen Café Crème also.«
Resigniert hatte Hannah auf eine Diskussion über Kaffeevariationen, Espressobohnen, Röstverfahren und Milch-Schaumanteile verzichtet und lediglich genickt.
Von der Kaffeeproblematik einmal abgesehen, fühlte sie sich eigentlich ganz wohl in ihrem temporären Zuhause. Sie ließ den Blick umherschweifen. Einheimische und Touristen bevölkerten das klei- ne Café am Ortseingang von Vaison unweit der Pont Romain, der alten Römerbrücke, die über die Ouvèze führte und die mittelalter- liche Oberstadt mit der Neustadt verband. Hannah gefiel das Städtchen, dessen voller Name Vaison-la-Romaine lautete. Der mittelalterliche Teil mit seinen engen Gassen schmiegte sich an einen markanten Felsen. Oben auf dem Felsen thronte, weithin als Ori- entierungspunkt sichtbar, die Ruine eines Châteaus, ein melancholisch anmutendes Überbleibsel einer stürmischen Zeitspanne, in denen sich Herrscher vielfältig abgewechselt hatten. Jenseits des Flusses breitete sich auf sanften Hügeln die Neustadt aus. Sie be- herbergte, und dadurch hob sich Vaison von anderen pittoresken Provencedörfern ab, ein weitläufiges Areal mit Ausgrabungen aus dem ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus. In der Mitte der Anlage erhob sich als Herzstück ein römisches Antiktheater.

Drei Monate würde Hannah »die provenzalische Polizei mit ihrem kriminologischen Wissen und ihren fundierten Kenntnissen unterstützen, französische Fachtermini lernen und ein Mosaikstein im Rahmen der Angleichung europäischer Ermittlerarbeit sein«. So hatte es zumindest in der Ausschreibung geheißen. Hannah hatte keine Sekunde gezögert, als ihr Chef von dem Austauschprogramm erzählte, das sich eine fortschrittsgesinnte Kommission in Brüssel ausgedacht hatte. Eine durchaus willkommene Ablenkung von ihrem Arbeitsalltag bei der Kripo Köln. Und zugleich eine absolut überfällige räumliche Trennung von Justus.
Während ihres Aufenthalts in der Provence würde sie Polizeistationen unterschiedlicher Größe kennenlernen. Nach Vaison-la-Romaine folgten Arles und Marseille. Hannah war zunächst überrascht gewesen, dass man sie als Erstes in die Gendarmerie eines kleinen Nests steckte. Doch dann hatte sie recherchiert und heraus- gefunden, wie geschichtsträchtig dieser Ort war. Mit zunehmender Begeisterung hatte sie der ersten Station entgegengesehen. Die Aus- sicht, sich dort ihrer Leidenschaft, der römischen Geschichte, wid- men zu können, hatte sie über den Gendarmerieposten hinwegse- hen lassen. Es konnte ja auch ganz angenehm sein, sich endlich einmal nicht mit Mord und Totschlag herumärgern zu müssen. Sie hatte beschlossen, die erste Station als sanften Einstieg zu betrachten, quasi als bezahlten Urlaub. Ohnehin würde sie spätestens in Arles, der zweiten Station, wieder verstärkt mit dem üblichen kriminalistischen Alltag konfrontiert werden. So hatte sie gedacht, als sie eine Woche zuvor in dem malerischen Städtchen angekommen war.

Leider war ihr Arbeitsbeginn von zugleich angespannter und zäher Natur gewesen. Beim Gedanken an Capitaine Claude-Jean Bernard, der die Gendarmerie in Vaison leitete, kräuselte sich ihre Stirn. Deutlich hatte sie bei ihrer ersten Begegnung gespürt, wie dessen kritischer Blick an ihr heruntergewandert war. Ihr aus Jeans, weißem T-Shirt mit anthrazitgrauem Jackett und flachen Lederschuhen bestehendes Outfit schien ihn wenig anzusprechen. Zu allem Überfluss überragte sie ihn um knapp zehn Zentimeter.
»So, so, aus Deutschland? Um das vorneweg einmal klarzustellen, Madame Richter, Sie befinden sich hier bei der Gendarmerie, und wir von der Gendarmerie sind allesamt beim Militär ausgebildet worden. Offiziersschule! Nicht zu vergleichen mit der police muni- cipale, das ist etwas ganz anderes!«
Hannah wusste sogleich, dass es kein Spaß werden würde, mit ihm zusammenzuarbeiten. Doch zwölf Dienstjahre in einem immer noch männerlastigen Metier hatten sie ihren Weg mit derartigen Erschwernissen finden lassen.
Sie nahm den letzten Schluck aus der Tasse und verzog das Ge- sicht. Nun gut. Sie würde die Hoffnung nicht aufgeben und weiter nach einem Stammcafé für ihren morgendlichen Koffeinschub su- chen.
In der Dienststelle der örtlichen Gendarmerie herrschte gemütliche Ruhe. Capitaine Bernard hatte einen auswärtigen Termin, von dem er erst am Nachmittag zurückkehren würde. Hannah war im Begriff, den PC in ihrem Büro hochzufahren, als das Telefon im Vorraum läutete. François Rigaud, ambitionierter Absolvent der Offiziershochschule der nationalen Gendarmerie in Melun und erst seit einem knappen Jahr in Vaison, nahm den Anruf entgegen. Binnen kürzester Zeit schlug seine Stimme einen hektischen Tonfall an und Hannah sah rote Flecken auf seinem Gesicht erscheinen.

»Ein Mann hat sich letzte Nacht im römischen Theater in Orange erhängt«, teilte er Hannah mit, nachdem er aufgelegt hatte. »Ganz spektakulär, direkt vor der Nische mit der hohen Kaiserstatue, mittig über der Bühne. Unbegreiflich, wie er das geschafft hat, in der Höhe. In Orange ist die Hölle los …«
»Und da ruft man ausgerechnet Sie an, Rigaud?« Hannah konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen.
»Na ja …« Der Kollege druckste herum. »Ein Kumpel von mir in der Dienststelle dort …«
Hannah kannte das antike Theater lediglich von Bildern. Die gut erhaltene Bühnenwand war einzigartig in der westlichen Welt und 1981 zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt worden. Nun hatte jemand diese Wand entweiht.
Sie betrachtete ihren Schreibtisch, auf dem nur einige wenige Taschendiebstahlmeldungen ihr Unwesen trieben, und zögerte nicht lang.
»Halten Sie hier die Stellung, Rigaud, ich bin in ein paar Stunden zurück.« Ohne auf die Proteste des jungen Gendarmen einzugehen, verließ sie raschen Schritts die Dienststelle, lief zu ihrem alten Polo und machte sich auf den Weg in das nur 30 Kilometer entfernte Städtchen.

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